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Geschenke auf Rädern

Mittwoch, 16.3.2016

"Schau mal, Elvis, da ist dein Geburtstagsgeschenk.",preist Ina den wackeligen Kasten auf zwei Rädern an. Misstrauisch beäuge ich das Gefährt, werfe einen kurzen Blick hinein und zische enttäuscht ab. Diese Kippelkiste soll mein Geschenk sein?! Kommt erstens viel zu spät, ich hatte schließlich schon letzte Woche meinen 3.Geburtstag, zweitens ist es nichts zum Knabbern und drittens kann ich nicht einmal damit spielen. Was soll ich mit einem Rollstuhl anfangen? So alt bin ich nun auch wieder nicht, bin sehr gut zu Pfote, laufe immer vorweg!

Der Einzige, der sich mit dem Vehicle beschäftigt und daran Freude hat, ist Micky. Eifrig werkelt er daran herum, setzt Rohre zusammen und schraubt Teile ineinander. Sieht aus wie eine neue fahrbare Transportbox. Wozu, ich habe bereits eine und diese sieht weder stabiler noch besser aus. Wozu die Räder? Ich lecke am Stoff. Bäh, mein Geschenk schmeckt ecklig. Enttäuscht schleiche ich vondannen.

"Wirst sehen, Elvis, wir werden schöne Ausflüge mit dem Fahrrad unternehmen und wenn du schlapp machst,  kannst du dich in deinem neuen Anhänger ausruhen. Das wird toll", redet mir Micky meinen neuen Fahrradanhänger schön. Ich bleibe skeptisch, Fahrräder an sich sind mir suspekt und lieber laufe ich nebenher, als mich in solch eine klapprige Kiste auf zwei Rädern zu setzen. Die Sonne scheint, meine Herrschaften schnappen sich ihre neuen E-Bikes, sperren mich ins Haus und machen ihre erste Tour ohne mich. Das fängt ja schön an. Erst machen sie mir den Mund wässrig und wenn`s dann losgeht, wollen sie mich nicht dabei haben. Schmollend lege ich mich auf meine Hundedecke und mache ein Nickerchen.

...

Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, wird aber belohnt. Kaum sind meine Herrschaften zurück von ihrem Ausflug, da bringt die Post ein Paket für mich. Ungeduldig tänzele ich um Ina herum, während sie das Päckchen öffnet. Das muss doch schneller gehen! Am liebsten würde ich ihr den Pappkarton wegreissen und mit meinem kräftigen Gebiss zerpflücken. Sie hält mich auf Abstand und -Ewigkeiten später- zaubert sie eine Peitsche hervor, an der eine Maus hängt und erbärmlich quiekt. Was haben die vor? Wollen sie mir etwa ein Tracht Prügel verabreichen oder Sado-Maso-Spiele mit mir veranstalten?!

Nur zögerlich folge ich Domina Ina in den Garten. "Wollen wir Angeln gehen, mein Liebling?", sie schaut mich fragend an. Angeln? Doch keine körperliche Züchtigung? Ich kenne das Angelspiel nicht, bin aber trotzdem erleichtert. Die Maus fiept erneut und macht mich ganz wuschig. Ina wirft die Angelrute aus und dreht sich im Kreis, ich hinterher. Die Maus schnellt in die Höhe, ich springe, versuche Beute zu machen. Die Maus ist schneller, rast um mein Frauchen rum, legt immer mehr Tempo zu. Ich wetze hinterher, wechsele die Richtung, hüpfe hoch und als ich gerade aufgeben will, erhasche ich sie am Schwanz. Die entkommt mir nicht. "Aus, Elvis, aus!" Kaum gefangen, soll ich das Tier wieder hergeben? Nie und nimmer! Ina schreit mich an:"Auuus!" Unwillig beuge ich mich und lege meine Beute in ihre Hand und das Spiel geht weiter. Was für ein Geschenk, das bringt Spaß! Ina lässt die Maus wieder los, ich pese ihr hinterher, drehe Kreise um Ina herum, erreiche Rekordgeschwindigkeit, doch immer, wenn ich nach dem Nager schnappe, macht dieser eine Drehung und entwischt. Meine Hartnäckigkeit und Ausdauer führen schließlich zum Erfolg, ich fange den Winzling. Ina nimmt das Plüschtier aus meiner Schnauze und beendet das Jagdspiel. Ich hechele, bin vollkommen außer Atem. Dieses Spiel gefällt mir, so stelle ich mir ein Geburtstagsgeschenk vor. Den Fahrradanhänger können sie behalten, den brauche ich nicht!

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